symbolismus.net

Naturalismus

Der Naturalismus betrifft eine Epoche von 1850 bis 1900 in der europäischen Literatur und Bildenden Kunst. Es folgten Strömungen wie Impressionismus, Expressionismus und Symbolismus. Unabhängig vom Epochenstil kann naturalistische Aussage zu jeder Zeit als Naturalismus bezeichnet werden.

Naturalismus

Unabhängig vom Epochenstil kann naturalistische Aussage zu jeder Zeit als Naturalismus bezeichnet werden.

Künstlerische Richtigkeit der Naturbeobachtung

Im 19. Jahrhundert legte der Naturalismus Wert auf eine Darstellung der realistischen Welt einschließlich alles Unterprivilegierten, Ungeschliffenen und inhaltlich mit sozialem Engagement. Es gab ab 1858 das Manifest “La philosophie du salon de 1857” des Künstlers Jules Antoine Castagnarys. Ein anderer nennswerter Wegbereiter war der französische Maler Gustav Courbet (1819–1877). Naturalistisch bedeutete wertneutral Positivistisch. Es kam auf Richtigkeit an, nicht auf Wahrheit. Man sprach von zeichnerischer, farblicher und anatomischer Richtigkeit. Wobei eine Rolle spielte die Räumlichkeit, Körperlichkeit und Stofflichkeit bezogen auf Perspektive, Material und Oberfläche. Im Gegensatz zum Naturalismus interessiert den Realismus auch die innere Wahrheit und den Idealismus eine Erhöhung oder Verklärung der Wirklichkeit. Beim Naturalismus kam es auf exakte Naturbeobachtung an. Außer Courbet waren beispielsweise wichtige Maler Jules Bastien-Lepage (1848–1884) und Constantin Meunier (1831–1905).

Künstlerisch Dokumentarisches und Naturwissenschaftliches

Der Naturalismus entwickelte sich zeitgleich mit Industrialisierung, Imperialismus und Urbanisierung. Die Künstler interessierten naturwissenschaftliche Methoden. Der französische Romanciers Émile Zola (1840-1902) definierte den literarischen Naturalismus in “Le roman expérimental” (1880) und es ging ihm um dokumentarische Erzählformen. In Deutschland waren entscheidende Vertreter in der Literatur Gerhart Hauptmann, Arno Holz und Johannes Schlaf. Impulse aus anderen Ländern kamen von der psychologischen Literatur Leo Tolstois und Fjodor Dostojewskis und der gesellschaftskritischen Literatur Henrik Ibsens und August Strindbergs. Der Naturalismus gilt als Beginn der literarischen Moderne. Die thematische Behandlung sozialer Probleme des Stadtlebens war revolutionär und nahm damals ihren Anfang. Es blieb vorerst eine materialistisch-positivistische Wissenschaft beeinflussend, obwohl zunehmend die objektiv realisierbare Wirklichkeit in Frage gestellt wurde und man die Subjektivität in der Weltanschauung zu betonen anfing. Es ging um Rationalität, Kausalität, Determinismus, Objektivität und ausgeschlossen blieb die Subjektivität und Individualität des Künstlers. Idealistische Elemente des Bürgerlichen Realismus wurden eliminiert. Den Naturalismus interessierte Milieuzugehörigkeit, phonografische Genauigkeit und der Sekundenstil. Weitere wichtige Autoren dieses Stils waren Maxim Gorki (1868-1936), Otto Erich Hartleben (1864–1905) und Guy de Maupassant (1850–1893).

Theaterillusionismus und Philosophietheorien

Auch für die Arbeit im Theater war der Naturalismus bedeutend mit illusionistischer Ausstattung. Und schauspieltechnisch und literarisch ging es um einen „Wie-im-Leben“-Stil bevor eine Zeit für Formen des Symbolismus und Expressionismus und abstrakten Expressionismus begann. In der Philosophie bestanden uneinheitliche Theorien mit einer Weltbeschreibung naturhaften Geschehens mit Merkmalen wie Realismus, Physikalismus, Reduktionismus, Religionskritik, Naturwissenschaften und Ablehnung der Metaphysik und mit der Klassifikation Ontologisches und Methodisches.